20160131
Herr Müller, kommen Sie bitte mal in mein Büro!
"Herr Müller, ich möchte erst gar nicht lange herumreden. Das Mitarbeitermotivationstracking hat festgestellt, dass sie in letzter Zeit, nun sagen wir mal langsam und fahrig, abgelenkt sind. Dann auch noch die deutlichen Zeichen von Demotivation, welche sich mit den unterdurchschnittlichen Arbeitsergebnissen in letzter Zeit bei Ihnen decken. Was soll ich sagen? Jeder hat mal eine Krise, Herr Müller, aber doch nicht über dreieinhalb Monate lang. Sie wissen, ich hab Verständnis, dass man mal ein paar Tage einen Durchhänger haben kann. Oder muss ich mir andere Sorgen machen? Jedenfalls hoffe ich, dass sie diese informelle Warnung ernstnehmen. Sonst kommt eine Abmahnung. Und sie wissen, was dass für Sie bedeutet!"
20151207
Und?
Und? … gibt es ein und?
Nein, es gibt kein "Und".
Dann, bitte entschuldigen Sie, ich meinte da etwas in Ihrem Gesicht gesehen zu haben, da habe ich mich wohl …
… nein, Du hast Dich nicht getäuscht. Aber ich kann doch nicht. Tut mir leid. …
20151205
Hoffnung
"Ich weiß, dass Ihre eigentliche Profession darin besteht, Leuten in feierlicher Umgebung Hoffnung zu verkaufen, um es vulgär zu sagen. Deswegen mag Ihnen mein Anliegen paradox erscheinen und doch bitte ich Sie, mich von all den falschen Hoffnungen auf die Wiederkehr des großen Glücks zu befreien, Hoffnungen, die, wenn sie sterben, mir einen schwer erträglichen Schmerz bereiten, Hoffnungen, die dennoch immer wieder aufkeimen, kaum dass sie gestorben sind. Diese Hoffnungen sind es, die jegliches kleine Glück, welches sich immer wieder hier und da im Alltag findet, verächtlich links liegen zu lassen, da dieses kleine Glück ja bei weitem nicht an das vergangene große Glück heranreicht."
20151202
Museum der Gefühle
Und wenn Du ein Gemälde wärst, ich bliebe ewig vor Dir stehen …
20151117
Banalitäten
Es tropfte. Von einem Vorsprung des Hauses oder Sims, wo der Regen sich sammelte, herab auf seinen Kopf. Ein ziemlich großer Tropfen, der durch seine dichten Haare bis auf die Kopfhaut durchschlug. Und noch einer. Jetzt hätte er weggehen können, früher wäre er weggegangen, aber jetzt war es ihm egal. Es tat nichts zur Sache. Vieles war jetzt egal, hatte keine Wichtigkeit mehr. Denn die Würfel waren gefallen. Ändern konnte er daran nichts. Nichts am Verblassen der Welt noch am Grund der Weltenblässe. Es war nicht seine Entscheidung. Er musste damit leben.
20151115
Nadel
Sagt die Nadel, die ich mit viel Glück im Heuhaufen gefunden habe, zu mir:
"ich liebe dich nicht. ich wollte nur etwas ablenkung. ich kann sex und vergnügen vom alltäglichen leben gut trennen, und im alltäglichen leben sind unsere leben sehr unterschiedlich.
ich denke das weißt du auch. aus diesen grund ist die sache vorbei."
Dann meinte sie noch, da wären noch viele Nadeln im Heuhaufen. Ich glaube daran nicht, Heu sticht zwar auch ungemein, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich in einem Heuhaufen immer nur eine Nadel befindet, wenn überhaupt.
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